21.01.18 - Recht: Gericht erkennt anscheinend Hochsensibilität an (Update)

Anscheinend hat erstmals in Gestalt des Schweizerischen Bundesverwaltungsgerichts (BVGer) ein staatliches Gericht das Vorliegen von Hochsensibilität als streitentscheidende Tatsache anerkannt.

So berichtet jedenfalls anscheinend die Sonntagszeitung des Tagesanzeigers in Zürich: https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/beamtin-klagt-gegen-arbeit-im-grossraumbuero-und-erhaelt-recht/story/29028247.

Ob das wirklich stimmt und wie das juristisch zu bewerten ist, können wir frühestens nach Lektüre des Urteils beurteilen, das anscheinend noch nicht veröffentlicht wurde.

Hat tip: Marianne Schauwecker (http://www.hochsensibilitaet.ch/content/index_ger.html)


Update 21.01.: Inzwischen sind wir des Urteils habhaft geworden; es handelt sich um die Entscheidung A-5819/2016 vom 22.11.2017; der Text ist im Internet verfügbar unter https://jurispub.admin.ch/publiws/download?decisionId=5d3a62c7-00c1-428b-8e3f-c3b4a9983370.

Nach Durchsicht des Urteils ist zunächst zu sagen, dass das Bundesverwaltungsgericht anscheinend wirklich vom Vorliegen von Hochsensibilität bei der Beschwerdeführerin ausgeht und ebenso davon ausgeht, dass die Beschwerdeführerin aufgrund dieser „Hohe[n] Sensibilität“ nicht in der Lage ist, in einem Großraumbüro zu arbeiten. Wohl weil das „beklagte“ (stimmt juristisch nicht ganz) Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT die entsprechenden ärztlichen Feststellungen (!) nicht angreift, setzt das BVGer die entsprechenden Eigenschaften der Beschwerdeführerin quasi selbstverständlich voraus, was, obwohl erklärlich, doch etwas verblüfft.

Einen Anspruch auf Arbeit im Home-Office sieht das BVGer übrigens nicht, wohl aber einen Anspruch auf, so würde man in Deutschland sagen, eine ermessensfehlerfreie Entscheidung dahingehend, ob dem Arbeitnehmer gestattet wird, im Home-Office zu arbeiten.

Wir werden das Urteil dieser Tage näher vorstellen.